Samstag, 16. Januar 2010

Port Headland nach Perth

Von Port Headlend nach Perth

Und schwupss die wupps kommt hier auch schon der naechste Blogeintrag. Nach den vergangenen fuenf Wochen harter Farmarbeit konnten wir nun die Fruechte unserer Arbeit geniessen und endlich weiter ziehen. Nach einem kurzem Abstecher zum 80-Mile Beach (ja der ist wirklich so lang) fuhren wir nach Port Headland und haben uns wegen der bevorstehenden Reise entlang der Westkueste, mit all ihren Straenden und Schnorchelmoeglichkeiten, eine Unterwasserkamera gekauft. Auf Grund dieser Tatsache, und nicht zuletzt wegen der unertraeglichen Hitze, entschieden wir uns in Port Headland ins Auqaticcenter zu gehen, wo dann auch gleich unsere neue Kamera eingeweiht wurde. Ich sprang sofort ins Wasser waehrend Basti vorher erst noch die Bedienungsanleitung durchlesen wollte. Er fuehlte sich irgendwie unwohl, mit einer Digitalkamera ins Wasser zu springen. Aber es funktionierte wunderbar!
Dann ging es auch schon weiter Richtung Westkueste, dessen noerdlicher Anfang in Exmouth zu finden ist. Faehrt man durch dieses Doerfchen, kommt man in den Cape Range National Park, vor dessen Kueste das Ningaloo Reef liegt. Dieses Riff ist zwar nicht annaehernd so gross wie das Great Barrier Reef, beherbergt aber trotzdem unzaehlige Fisharten, Corallen, Haie und Turtles. Da auch zufaellig gerade Schildkroetenbrut-Saison war, sind wir nach Einbruch der Dunkelheit auf der Suche nach einer Turtle den Strand lang spaziert. Und anders als in Broome hatten wir diesmal Erfolg!
Von Weitem dachten wir auf Grund der Ausmasse, es wuerde sich um einem Stein handeln, was sich beim naeheren Betrachten jedoch als eine wundervolle, grosse Schildkroete herausgestellt hat. Sie war an den Strand gekrochen, um ein riesiges Loch zu graben und ihre etwa 70 Eier zu legen und wir beide waren bei diesem Schauspiel die ganze Zeit dabei! Herrrlich einmalig! Am Ende war sie richtig kaputt und lag nur noch rum, weswegen wir sie in Ruhe liessen und schlafen gingen. Die gelegten Eier liegen dann dort 6-8 Wochen im Sand, bis schliesslich die kleinen Racker schluepfen, sich ihren Weg an die Oberflaeche graben und ins Wasser rennen. Da das Geschlecht der Babies von der Hoehe der Sandtemperatur abhaengt, schluepfen umso mehr Weibchen, je waermer der Sand ist.
Neben Turtlewatching bietet der Cape Range National Park auch sehr gute Schnorchelmoeglichkeiten. Unter anderem waren wir drift-schnorcheln, wobei man sich von der (nicht ungefaehrlichen) Stroemung von einem Strandende zum Anderen treiben laesst und sich ohne grosse Schwimmanstrengungen ueber Corallen, bunte Fische, Rochen und (mit etwas Glueck) Turtles treiben lassen kann. Dann habe ich beschlossen, dass wir zu einem Lookout fahren, der nur 12 Kilometer vom Highway entfernt lag. Kein Problem, dachte ich. Doch die Strasse dorthin war mit Abstand die schlechteste, die wir jemals gefahren sind. Es ging ueber Schotter und durch Schlagloecher stetig bergauf, was nicht unbedingt der beste Untergrund fuer unsere alte Lady ist, und dann war der eigentliche Lookout auch noch verdammt schlecht. Auf dem Rueckweg zur Hauptstrasse entschaedigte uns jedoch der Ausblick ueber einen beeindruckenden Canyon.
Danach ging unsere Fahrt weiter nach Coral Bay, wo wir uns beim Schnorcheln ploetzlich in einer Gruppe von nicht gerade kleinen Fischen wiederfanden, die immer dichter kamen und uns mit ihren dicken Glubschaugen anstrarrten. Irgendwie unheimlich! Und nocht nicht ganz wieder erholt von diesem Schreck, da schwimmt auf einmal eine Schildkroete unter uns entlang und frisst sich ihren Weg ueber den Meeresboden. Perfekt! Am neachsten Tag haben wir dann noch von einer Duehne aus Riff Haie beobachtet, die fast taeglich von ihrer Mutter in diesen flachen Bereich des Ufers gebracht werden, um zu fressen. Das Foto ist zwar nicht weltklasse geworden, weil die wellige Wasseroberflaeche ein klares Bild verhindert hat, aber als wir ins Wasser gegangen sind, um ein Unterwasserbild zu ergattern, sind die Haie sofort etwas weiter raus und damit ausser Reichweite geschwommen. Auf jeden Fall sind die drei schwarzen Punkte Haie!!!
Dann gins auch schon wieder weiter nach Sueden, denn wir wollten schliesslich an Weihnachten mit Martin und Christian in Perth sein, wodurch wir doch ein klienes bisschen Druck hatten. Positiven Stress!
In Monky Mia angekommen haben wir uns gleich die beruehmte Delphinfuetterung angesehen, die so beruehmt ist, dass sich doch wirklich fast 200 Leute morgens um 7 uhr aus den Betten quaelen und an den Strand kommen. Und weil es dort so schoen war, haben wir uns kurzfristig entschieden, einen Segeltrip zu buchen, um uns die Shark Bay und eine in der Bucht liegende Perlenfarm anzuschauen (was wir ja in Broome aus Zeitgruenden nicht geschafft haben). Bei diesem Segeltrip mit einem 15m langen Katamaran haben wir u.a. auch Dugons gesehen, was eine Mischung aus einem kleinen Wal und Delphin ist. Diese 3m langen Tiere koennen bis zu 8 Minuten unter Wasser bleiben und kommen, weil sie sehr scheu sind, selbst zum Atmen immer nur fuer ein paar Sekunden an die Wasseroberflaeche. Des Weiteren kommen sie auch nicht wie Delphine zum Boot geschwommen, sondern suchen eher Abstand zu Menschen. Zu Dugons muss man hinfahren um sie von Dichtem zu sehen. Wir hatten dieses Glueck und konnten gerade noch ein Foto machen, als eine Dugon-Kuh mit ihrem Baby direkt nebem unserem Boot zum Luftholen an die Oberflaeche kam. Die Delphine, die anfangs neben unseren Boot hergeschwommen sind, haben sich dagegen, genau wie die Seeschlangen und Turtles, gerne fotografieren lassen. Ein erfolgreicher Trip!
Das naechste Ziel war die “Hutt River Provence“, die sich etwas Abseits vom Schuss befindet und offiziell als unabhaengige Provinz anerkannt wird. Die Gesichte dazu sieht wie folgt aus. Ein Mann namens Leonard hatte 1970 keine Lust mehr, die hohen australischen Steuern zu zahlen und hat beschlossen sich sein eigenes Reich aufzubauen, um von Australien unabhaengig und steuerbefreit zu sein. Hutt River Provence ist nun seit fast 40 Jahren ein unabhaengiger Staat in dem 2 Personen leben, Prinz Leonard und seine Frau! Er zieht jeden morgen sine eigene Flagge hoch, hat sich eine eigne Kirche gebaut, ein Post Office, einen Campingplatz, er hat sein eigenes Geld und man kann sogar Offizier bei ihm werden. Das Beste mit Abstand jedoch ist, man kann seine eigene Staatsbuergerschaft ablegen und die der Hutt River Provinz annehmen. Jetzt ratet doch einmal, wie viele Menschen weltweit diese Staatsbuergerschaft besitzen? Ihr werdet es nicht glauben?! Es gibt weltweit 13000 Hutt River Provinzianer. Sie alle haben ihre Staatsbuergerschaft abgelegt und fuer 300 Dollar einen 5 Jahre gueltigen HRP-Pass beantragt. Wir jedoch haben unseren Pass behalten und sind weiterhin deutsche Staatsbuerger! Anderenfalls muessen wir, um wieder in Deutschland einreisen zu duerfen, ein Visum beantragen oder diesen neuen Staatsbuergerschaftstest absolvieren. Der Prinz ist mittlerweile schon ueber 80 Jahre alt, sein eines Auge schon im Ruhestand und mit dem Anderen empfaengt er jedes Jahr 30000 Besucher auf seiner Farm! Verrueckte kleine Welt!
Dann haben wir uns in Geraldton mit den Leipziger Jungs wiedergetroffen und beschlossen Weihnachten dort zu verbringen. Die Beiden waren naemlich schon seit ein paar Tagen dort und hatten die Italiener aus Mareeba (wo wir im Maisfeld gearbeiet haben) wiedergetroffen, die nun hier arbeiteten und sich ein Haus am Meer gemietet hatten. Also haben wir dann alle zusammen in dem Haus am Meer, mit den beiden Jungs, den Italienen und noch ein paar anderen Weihnachten gefeiert. Es gab Tortelini, Kartoffelsalat mit Wuerstchen und Bowle. Die etwas andere Art, Weihnachten zu feiern.
Fuer uns beide ging es am naechsten Tag weiter, da wir schliesslich in 6 Tagen in Adellaide sein wollten, woven wir in diesem Moment noch genau 3500 Kilometer entfernt waren.
Die Pinnacles waren unser naechtes Etappenziel, von wo aus es dann bloss noch ein Katzensprung bis Perth war. Doch zuvor kamen wir an einem wunderbaren See vorbei, der aussah, als waere er gefroren und zugeschneit. Sofort war in uns beiden die Sehnsuchht nach weisser Weihnacht geweckt. Wir machten einen Zwischenstop und da am Rand des Sees bereits Autospuren waren, beschloss ich dort auch lang zu fahren. Herrliche Bilder entstanden, es schien, als waere unser Auto von weissem Schnee umgeben und Weihnachten fuehlte sich auf einmal wieder so echt an. Dann beschloss ich aber umzudrehen, und Basti rief:
“Bine…”, ich stoppte, “…nur nicht anhalten!” Und da steckten wir fest. Diese weisse Pracht war natuerlich kein Schnee sondern Salz, das von einem ausgetrocknetem See uebriggeblieben war. Das Auto durchknackte die Salzkruste und sackte etwa 15cm in die darunter immer noch matschige Lehmschicht. Wir beide bekamen etwas Muffensausen, weil wir nicht wussten, wie weit das PS-Monster noch einsackt. Das Reifenprofil voll Lehmmatsch, die Vorderhaelfte des Autos so tief, dass wir schon die Salzkruste mit dem Unterboden beruehrten und bloss noch 3 Stunden hell. Ich bruhigte mich mit der Einsich, dass Panik uns ueberhaupt nicht helfen wuerde und sammelte Buesche und Stoecker waehrend Basti versuchte, die Reifen frei zu machen. Dann suchte ich einen riesen Stamm, den ich auf die Strasse schleppte, um eine Barikade zu bauen und vorbeifahrende Autos zu stoppen. Aber niemand hielt an. Mit unserem Handy hatten wir keinen Empfang und so bleiben wir uns selbst ueberlassen. Viele Versuche, zurueckzusetzen scheiterten und brachten uns kein Stueckchen weiter. Der Wagenheber musste raus und ich suchte an Gebuesch zusammen, was ich finden konnte. Wir bockten die Karre auf, stopften Gruenzeug unter ein Rad, liessen das Auto wieder ab und machten das mit allen Reifen. Nach eineinhalb Stunden konnten wir die ersten kleinen Erfolge verzeichnen. Stueckchen fuer Stueckchen schafften wir es, uns von dem Loch weg zu bewegen und festen Boden zu erreichen.
Da unser einziger Spaten nur einen Stil, aber kein T-Stueck foermigen Griff hatte, war Bastis Handinnenflaeche nach all dem Gegrabe total aufgeribbelt und wund. Ist nicht so schoen, wenn eine Stunde mit offener Wunde in Salz graben muss.
Wir meisterten die Sache letztendlich ganz allein und waren stolz auf uns und froh, am ersten Weihnachtsfeiertag nicht in einem ausgetrockneten Salzsee schlafen zu muessen. Stattdessen sind wir mit einer 2 stuendigen Verspaetung zu den Pinnacles gefahren, nachdem wir an einer geschlossenen Tankstelle (war ja Feiertag) unser Auto geputzt und vom Salz befreit hatten.
Die Pinnacles sind ein Haufen aufrecht stehender Hinkelsteine (eigentlich Reste von Muscheln, die der Wind da hingeweht und ueber die Jahrhunderte geformt hat - eben wie Hinkelsteine) die bei Sonnenuntergang lange Schatten werfen. Man faehrt mit dem Auto einen Rundweg durch diese bizarre Landschaft und kommt sich vor wie auf einem anderen Planeten. Da uns alle Besucher dieser Attraktion bereits auf dem Hinweg entgegen kamen, weil es schon spaet war, fuhren wir ganz allein durch diese gruselige Mondlandschaft. Auf jeden Fall sehenswert!
Mit den Jungs haben wir uns dann noch einmal in Perth getroffen, uns den botanischen Garten angeschaut und uns von der Stadt einen Ueberblick overstaff. Dann hiess es auch schon wiedder Abschied nehmen. Basti und ich fuhren Richtung Sueden und beschlossen in Freemantle zu naechtigen. Zufaellig lag auf dem Weg dorthin ein Kino (Basti kann einfach nicht genug bekommen) und wir haben uns “AVATAR” in 3D angeguckt. Eigentlich ein bisschen Spinnerei aber irgendwie ein toller Film!
Nun, da wir Perth verlassen haben, mussten wir uns sputen, rechtzeitig Adelaide zu erreichen um unseren bereits gauche Silvesterflug nach Sydney zu erreichen. Aber dazu mehr beim naechsten Eintrag. Bis dahin liebe Gruesse, lasst es euch gut gehen und niemals an etwas mangeln.

Basti und Bine

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen