Sonntag, 30. August 2009

Von Yeppon nach Mackay
Als wir in Mackay ankamen hielten wir wie immer zuerst bei der Touristeninfo an, nicht um uns von den alten Garken beraten zu lassen, sondern um eine Stadtkarte zu bekommen. Da wir auch absolut kein Geld mehr hatten, haben wir dann auch noch gleich nach Arbeit gefragt. Die Frau zeigte uns ein schwarzes Brett, an dem Arbeit fuer Backpacker stand. Um unsere Erfolgschancen zu erhoehen und eventuelle Mitstreiter auszustechen, haben wir dann einfach die Stellenangebote von der Wand gerissen und verschwanden aus dem, von Volunteer-Retnern betriebenem Laden. Wir riefen alle potentiellen Arbeitgeber an, erfuhren dass manche Stellenangebote bereits seit Monaten nicht mehr aktuell waren (danke nochmal an die Volunteer-Retner aus der Info) und fuhren ganz Mackay ab, immer in der Hoffnung, endlich Arbeit zu finden. Bis zu den noerdlichsten Straenden von Mackay, wo wir trotz der stressigen Arbeitssuche unsere gute Urlaubsstimmung beibehielten und wunderbare schwarz-weiss Bilder von unseren Bully und Bines Fuessen machten. Fuesse aus dem Fenster und erstmal eine Pause einlegen - einfach herrlich!
In einer Strasse von Mackay gab es 27 Motels und wir sind zu jedem gegangen und haben nach Arbeit gefragt. Viele von den Betreibern lachten uns ein bischen aus, aber das war uns ja egal. Hauptsache Arbeit – und zwar jetzt! Wir haben es echt ueberall versucht und uns war nichts zu bloed, auch wenn uns viele Leute ausgelacht haben. Aber am Ende lacht der letzte Lacher am Besten :) Irgendwann fragten wir bei einer Zaun-Firma nach Gelegenheitsarbeit, weil wir dachten wir koennten mithelfen Zaeune aufzubauen, doch auch da gabs keine Arbeit aber eine Weiterleitung an einen Mann namens Martin, der eventuell Arbeit fuer uns haette. Und so fuhren wir zu Martin, wie sich herausstellte ein grauer, aelterer Mann, freundlichen Gemuets. Er war der Betreiber von “Citybeach VolleyBall” Er hatte zwar auch grad keine Arbeit aber stellte uns seiner Familie vor und meinte sofort, wir koennten bei ihm auf dem Gelaende uebernachten. Hier habt ihr Platz fuer euren Campervan, hier sind die heissen Duschen, hier ist eine Kueche die ihr benutzen koennt und alles ist UMSONST!!!
Wir beide waren sprachlos, was Besseres haette uns in diesem Moment gar nicht passieren koennen. Ich (Bine) war doch etwas geschockt ueber das Gelaende, da es sehr muellig dort aussah und wollte nur eine Nacht bleiben. Aber Basti meinte, ich sollte dem Mann eine Chance geben und das tat ich. Schon nach einer Woche hat sich das dann als das Beste herausgestellt, was ich machen konnte! Denn mittlerweile sind wir nun 9 Wochen hier, Gruende dafuer gibt es en Mass. Wir stehen direkt am Meer, Martin ist der grosszuegiste Mann den ich jemals kennengelernt habe, wir koennen hier sogar Waesche waschen, haben jeden Sonntag Livemusik, haben einen Pool, in den wir jeden Tag reinspringen koennen, Samstagabend gibt immer ein grosses Dinner fuer alle, wir konnen jeden Abend ein Lagerfeuer machen, jeden Morgen angeln gehen, uns Fruehstueckseier machen, haben heisse Duschen (was erst recht nicht selbsterstaendlich ist), Toileten und noch viel viel mehr.
Zu Beginn waren wir noch die Einzigen auf diesem riesen Gelaende, einige Tage spaeter reiste Sarina an, eine super liebe und lustige Schweizerin mit der wir sehr viel Zeit verbrachten und sehr viel Spass hatten. Sie wartete auf ihren Freund, den sie in Townsville kennengelernt hatte und wir auf einen Anruf von einer der vielen Jobbaustellen (hatten schliesslich in ganz Mackay unsere Lebenslaeufe verstreut). Und so verbrachten wir unvergessliche 4 Wochen zusammen, lernten zum Schluss auch den Typen kennen auf den sie so lange gewartet hat, ein verrueckter Kerl! Und nun geht dieser Typ namens Scott mit ihr in die Schweiz um dort dann eventuell Sarina zu heiraten! Das Bild von Sarina, Bundy (dem besten Hund den wir jemals getroffen haben, der uns sehr ans Herz gewachsen ist und Martin Angst hat, dass wir ihn mitnehmen) und uns beiden haben wir Martin als Dankeschoen fuer die schoen Zeit geschenkt.
Fuer ein Paar Tage war ein riesen grossser Krahn bei Martin auf dem Gelaende um eine kaputte Birne im Flutlicht des Volleyball Feldes zu reparieren. Da dieser Krahn aber einige Tage ungenuzt da stand ueberlegten wir uns, dass wir damit doch auch mal hochfahren koennten. Mat, ein super knuddliger Typ zeigte uns wie der Krahn funktionierte, legte uns die Sicherheitsgurte an und dann gings los. Wir fuhren bis zu 20 meter hoch, dann stoppte der Krahn und wir hatten eine herrliche Aussicht. Von dort aus koennt ihr auch das ganze Gelaende ueberblicken auf dem wir 9 unvergessliche Wochen verbrachten. Als Erstes sieht man Martins Haus, wo sich auch die Toiletten und die Duschen fuer die Volleyballspieler (und uns) befinden, dann den Pool, der zur Anfangszeit noch leer war, die Komunale Kueche und das Areal, wo die allwoechentliche Sunday-Session (Live-Music, Steak und Lagerfeuer) statt findet. Wir hoffen ihr koennt von oben alles entdecken. Auf dem naechsten Bild sieht man die Volleyball Felder. Jeden Montag, Dienstag und Mittwoch finden dort Spiele der Stadtliga statt, wo wir des Oeffteren teilnehmen konnten und viel Spass hatten.
Und dann endlich kam der Anruf, auf den wir so lange gewartet hatten. Wir koennen arbeiten, aber erst sollten wir zu einer Einweisung kommen. Kein Problem!
Dort angekommen stellte sich dann heraus, dass es keine Einweisung, sondern eher Bewerbungsgespraeche mit Interviewcharacter waren (Schreck!!). Aber wir meisterten dieses Vorstellungsgespraech super und bekamen am Ende 2 goldgelbe “Welcome-on-Board” Umschlaege. Zu unserem Glueck waren wir in der Gruppe, die von der obersten Chefin interviewt wurde. So hatte sie gleich ein Bild von uns und meinte, macht keinen Bullschit mit mir und ihr koennt hier soviel Geld verdienen, dass es fuer eure weiteren Vorhaben reicht!
In Mackay sollte naemlich in den kommenden Tagen das Entertainment und Convention Center eroeffnen, dass insgesamt 29 Mio. Dollar gekostet hat, und Grinders (die Catering Firma fuer die wir arbeiteten) ist dort exklusiv fuer alles verantwortlich, was mit Drinks und Food (eben Catering) zu tun hatte. Und wir sind ein Teil davon (koennt ihr den Stolz heraushoeren). Wir haben dort viel gelernt, nicht nur wie man 15 000 Glaeser und kistenweise Besteck poliert, sondern auch wie man richtig kellnert und man fuer ein 450 Leute-Dinner die Luxustische eindeckt. Wir haben hinter der Bar gestanden, im Cafe gearbeitet, haben Kisten geschleppt, aufgeraeumt, in der Kuche abgewaschen und waren von Anfang an in diesem Center mit dabei. Was uns kleine Backpacker doch zu einem festen Teil des restlichen Teams werden lies. Die Abreit hat uns beiden sehr viel Spass gemacht, wir haben gutes Geld fuer unsere Weiterreise verdient und viel gelernt.
Laut Lonely Planet soll einen Mackay schon nach der ersten Nacht langweilig werden, aber es kommt wie es kommt und ohne Martin und ohne Grinders waeren wir nach einer Woche auch weg gewesen. Mackay ist eine gute Stadt zum arbeiten aber nicht zum leben, wie wir finden, denn Sehnswuerdigkeiten gibt es hier nicht wirklich. Man muss erst 100 km ins Inland fahren um schoene Dinge, wie den Eungella Nationalpark oder Finch Haten Gorge zu sehen. Finch Haten Gorge ist eine bergige Waldgegend mit vielen Fluesschen. Dort haben wir auch ein Forest Flying (in einem Geschirr sitzend und an einem Stahlseil haengend “fliegt” man in 20 Meter Hoehe 320 Meter durch den Regenwald) gemacht.
Der Eungella Nationalpark liegt ein Stueckchen weiter und man muss zuerst einen 12%igen 4,5km Anstieg erklimmen, was mit unserer alten Lady ein kleines bis mittleres Abenteur war :) Wir nahmen mit dem Bully die ganze Strasse ein, nutzten beide Spuren, um uns langsam und qualmend aber dafuer umso allmaehlicher den Berg hochzukaempfen. Unser Auto wurde immer langsamer, bis es irgentwann in einer 90 Grad Kurve auf halbe Strecke stehen blieb. Von unten hoerte ich (Bine) einen LKW herandonnern, dem ich entgegenrannte, um dem Fahrer zu sagen, dass wir da oben in der Kurve stehen und er uns bitte nicht plattmachen soll! Ein freundliches Lachen war die Antwort. Unser Auto qualmte nun schon etwas deutlicher, wir wendeten (au mann!!) und fuhren ein Stueckchen runter um in einer Bucht unser komplettes Auto auszuraeumen damit wir die Motorabdeckung entfernen und der Motor abkuehlen konnte. Nach einer Stunde Pause und jeder Menge frischer Bergluft entschlossen wir uns beide, es nocheinmal zu versuchen. Schliesslich wollen wir doch in diesen Nationalpark. Oben angekommen hatten wir einen herrlich Ausblick, vom Sky Window und man sieht gut, was unser Auto vollbracht haben muss, um da oben hinzukommen. Wir haben im Fluss Schildkroeten und sogar einige Platypus gesehen. Toll :)
Anfang August fuhren wir nach Airlie Beach, da in 3 Tagen unser lang ersehnter Segeltrip raus zum Great Barrier Reef beginnen sollte. Mit grossen Erwartungen fuhren wir nach Airlie und hatten nach einem Tag schon die Nase voll. Ueberall Backpacker, Campervans und irgendwie schrie die kleine Kuestenstadt das Wort “Tourist” aus jeder Ecke. Wir fanden einen guten Platz fuer unseren Bully, erkundeten die City und bestaetigten unsere Segel-Tauchtrip-Buchung. Leider fuehlten wir uns beide irgendwie krank, hatten Schnupfen und Halsschmerzen (kann man auf dem Bild gut erkennen) und das, obwohl doch unser Segel- und Tauchabenteuer gerade erst beginnen sollte. Am darauffolgenden Tag hatten wir dann schon unseren ersten Tauchunterricht. Erst im Klassenraum und dann gings auch schon ab in den Pool, der zwar nur eineinhalb Meter tief aber trotzdem richtig schoen kalt war. Hinzu kommt dann noch der ganze Kram den man beim Tauchen beachten muss. Handzeichen, Routineskills und Flaschenluft. Puh - ein komisches Gefuehl. Nach dem Unterricht rannten wir dann noch schnell zum Artzt weil wir unbedingt eine “Ihr-koennt-Tauchen-gehen” Bescheinigung brauchten. Am zeiten Tag war dann nochmal Pool- und Theorietraining angesagt mit anschliessendem Test (Schreck!!). Mit Hilfe der drei anderen Tauchschueler in erstklassiger Gruppenarbeit aber alles gar kein Problem! Dann hies es Sachen packen und um 7 pm zum Hafen.
Wir kamen dort an und wurden gleich super herzlich begruesst, bekammen Sekt und genossen die naechtliche Fahrt zum Whithavenbeach. Der Segeltrip war der absolute Hammer. Wir waren baden, schnorcheln, wandern, haben uns den Sonnenauf- sowie den Sonnenuntergang angeschaut, hatten Vollmond und haben mitten im Meer eine Art Wasserfall gesehen. JA – da haben sich die Korallen aus dem Wasser herauss gehoben und bilden dort nun soetwas wie eine kleine Schwelle, ueber die das Meerwasser schwabbt und so ein kleiner Wasserfall entsteht! Und das Allerbeste: Wir sind im offenen Ozean getaucht! Mit kompletter Ausruestung sind wir vom Boot gesprungen und bis zu 15 Meter tief getaucht! Das ist echt der absolute Kick und auch wirklich ne Herausforderung, weil man ja in 15m Tiefe nicht mal einfach so auftauchen kann! Wir haben uns das 7. Naturweltwunder angeschaut, haben es genosssen, haben Fische gesehen und einen riesen grossen Maori Wrasse sogar gestreichelt. Eine weitere unvergessliche Erfahrung war die liebe gute Seekrankheit (siehe Bild von Bine aud dem Deck), die uns beide fuer einige Augenblicke niederstreckte. Am Ende des Trips haben wir eine Tauchschein bekommen, der uns ermoeglicht, ohne Instruktor bis zu 18m Tief zu tauchen. Ein unvergessliches Erlebnis, von dem wir ein Leben lang zehren koennen. Nach dem Segeltripp in Airlie gings dann nochmal zurueck nach Mackay, weil die arbeit rief.
Wir haben hier in Mackay eine lange Zeit verbracht, die uns aber nicht verloren gegangen ist, denn hier haben wir gearbeitet und gutes Geld verdient, die Arbeit hat uns beiden sehr viel Spass gemacht und es war ein super Team mit den wir zusammen gearbeitet haben. Wir haben hier neue Freunde kennengelernt und zusammen eine unvergessliche Zeit verbracht, ein besonderer Dank an Sarina aus der Schweiz und Basti aus dem Berliner Speckguertel. Und wir haben gelernt, Menschen eine Chance zu geben und nicht nach dem ersten Eindruck zu bewerten. Danke an Martin, der fuer uns echt ein Retter in der Not war.
Morgen werden wir Mackay verlassen, nochmal kurz nach Airlie Beach duesen, um mit einen Wasserflugzeug einen Rundflug zum Heart Reef zu machen und uns davon zu ueberzeugen, dass die ganzen Postkarten kein fake sind, sondern es wirklich wahr ist und wir die Schoenheit des Reef mit eigenen Augen bestaunen koennen. Dann werden wir weiterfahren nach Bowen um an dessen schoenen Straenden baden zu gehen, und weiter nach Townsville, damit Basti als Soldat in einem Kriegsfilm mitspielen kann und ich vielleicht auch. Wir lassen uns ueberraschen. Immer weiter bis nach Cairns. Und dann gehts endlich ins unbekannte, aber aufregende Outback.
Lasst es euch gut gehen und niemals an etwas mangeln, wir verbleiben mit den dicksten Gruessen.

Basti und Bine

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